Summenermittlung – Pflichtprogramm für Vermittler!

Gut - Besser - Am BestenGerade im Hinblick auf die komplexe und komplizierte Summenermittlung in der gewerblichen und industriellen Sachversicherung bleiben viele Unternehmen allein. Makler und Versicherungsberater aber sind nach dem neuen VVG zur Mitwirkung verpflichtet. Ein Wegweiser zur korrekten Versicherungssumme.

Die Verantwortung für die richtige Versicherungssumme lag in der Vergangenheit meist ausschließlich beim Versicherungsnehmer. Weil dies den Gewerbetreibenden in aller Regel überforderte, ist gemäß dem neuen VVG sowie der einschlägigen Rechtsprechung nun auch der Versicherer und der Vermittler mit verantwortlich. Die daraus resultierende Haftungsproblematik im Falle einer Unterversicherung zwingt den Vermittler geradezu dazu, sich mit den einzelnen Schritten zur korrekten Wert- und Versicherungssummenermittlung zu befassen – und zu dokumentieren! Dazu braucht er Expertenrat.

In den Sachversicherungspolicen für Gewerbe und Industrie sind diverse Versicherungssummen deklariert. Insbesondere für Gebäude, technische und kaufmännische Betriebseinrichtung und Vorräte. Mit in die Berechnung sollten Vorsorgemaßnahmen sowie diverse „Erstrisikopositionen“ (Aufräumungskosten etc.) eingerechnet sein.

Diese Versicherungssummen dienen als Berechnungsgrundlage für die Prämienfindung. Außerdem stellen sie die Obergrenze dessen dar, was der Versicherungsnehmer im Schadenfall vom Versicherer ersetzt bekommt. Man beachte aber die oft entscheidende Einschränkung: Nur wenn am Schadentag die Versicherungssumme mindesten so hoch ist wie der tatsächliche Wert der versicherten Gebäude und Gegenstände, erst dann ersetzt der Versicherer den Schaden auch bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Liegt die Versicherungssumme in der Police unter dem tatsächlichen Wert besteht eine sogenannte „Unterversicherung“. Selbst bei einem Teilschaden kürzt der Versicherer dann die Entschädigung proportional (Versicherungssumme / Versicherungswert).

Was ist die Folge einer Unterversicherung?

Auch wenn die Versicherungssumme höher ist als der Schaden, wird vom Versicherer eine Kürzung der Leistung vorgenommen. Oft überraschend für den Kunden, glaubt er doch jeden Schaden bezahlt zu bekommen; zumindest bis zur vereinbarten Versicherungssumme. Dafür, so meint er, habe er doch schließlich auch die Prämie bezahlt.

Ein großer Irrtum. Die Konsequenzen zeigt das folgende Beispiel:

Versicherungssumme:55.000.000
tatsächlicher (Neu-) Wert:65.000.000
Teil-Schaden:6.000.000
Entschädigung:5.076.000
Eigenanteil des Kunden:924.000

Eine plötzliche, unvorhergesehene Finanzlücke in dieser Größenordnung kann selbst finanziell gesunden Unternehmen erhebliche Probleme bereiten. Bis hin zur Insolvenz.

Versicherer prüfen immer häufiger auf Unterversicherungen

Die Prüfung, ob eine „Unterversicherung“ vorliegt, ist zeitaufwändig; und damit äußerst kostenintensiv. Die Beschränkung der Versicherer, nur bei Großschäden (> 2 Mio. EUR) die Unterversicherung zu prüfen ist Vergangenheit. Wir sehen immer mehr Fälle, bei denen die Versicherer auch bei kleineren Schäden eine mögliche Unterversicherung prüfen. Dies belastet natürlich den Vertrag im Rahmen der prämienfrei gedeckten Sachverständigenkosten.

In ganz seltenen Fällen kann der Gewerbetreibende auch eine Versicherung „auf Erstes Risiko“ abschließen. Der Versicherer bezahlt dann bis zur vereinbarten Versicherungssumme, ohne dass eine „Unterversicherung“ geprüft beziehungsweise angerechnet wird. Der Haken dabei ist, dass die Prämie üblicherweise extrem überhöht ist. Daher ist diese Lösung nicht zu empfehlen.

Um eine korrekte Versicherungssumme ermitteln zu können, bieten sich grundsätzlich drei Lösungsmöglichkeiten an:

  • Eine grobe Schätzung („Daumenpeilung“)
  • Eine möglichst exakte Eigenermittlung
  • Ein externes Sachverständigengutachten

Eine „Daumenpeilung“ bedarf wohl keiner weiteren Kommentierung.

Die möglichst exakte Eigenermittlung

Nur der Blick auf die letzte Zahl im Anlagenverzeichnis genügt keineswegs. Trotzdem sollte das Anlagenverzeichnis (AfA- Verzeichnis) als Basis für die Wertermittlung herangezogen werden. Zu beachten ist, dass das Anlagenverzeichnis im Kern vorrangig steuerlichen Aspekten dient und nicht versicherungstechnischen. Im Anlagenverzeichnis finden sich die historischen Anschaffungskosten für jedes einzelne Anlagengut.
Versichert ist normalerweise der Neuwert, also der aktuelle Wiederbeschaffungspreis. Und daraus ergeben sich Fragen über Fragen. Um den Neuwert zu errechnen, kann der Anschaffungswert mithilfe der Indizes des statistischen Bundesamtes über die Teuerungsrate seit der ursprünglichen Anschaffung hochgerechnet werden. Dies ist rechnerisch kein großes Problem. Doch welcher Index der weit über 1000 Indizes ist für welches Wirtschaftsgut heranzuziehen? Ist es sinnvoll Gruppen zu bilden oder kann vielleicht sogar ein Durchschnittsindex verwendet werden?
Oftmals sind gebraucht gekaufte Sachen vorhanden (aus Versteigerung, Insolvenz, Übernahmen). Diese sind in der Regel nur mit dem tatsächlichen Kaufpreis im Anlagenverzeichnis enthalten. Der Neuwert liegt fast immer um ein Vielfaches höher. Wie geht man damit um? Auch fremdes Eigentum, wie zum Beispiel Leasinggegenstände oder gemietete Anlagen sind fast immer vorhanden. Im Anlagenverzeichnis sind diese Sachen naturbedingt nicht zu finden. Welche Lösungen bieten sich hier an? Gleiches gilt auch für die Summenermittlung von Gebäuden. Eine einfache Übernahme der alten Monopoldaten langt nicht mehr aus.

Alleine an diesen wenigen Beispielen kann man erkennen, wie schwierig
die Thematik ist. In der Realität sind noch eine ganze Reihe weiterer Aspekte zu berücksichtigen. Der normale Versicherungsnehmer ist schlicht überfordert, die richtige Versicherungssumme zu bestimmen. Genau das ist aber notwendig. Übrigens haben auch viele Vermittler keine Antworten auf die vielen Spezialfälle, und jeder Schaden ist speziell

Ein externes Sachverständigengutachten als einzige Alternative

Die Kapazitäten der Kunden und vielfach auch der Vermittler, sind ohne qualifizierte Hilfe von außen schnell überlastet, sofern er die Summenermittlung in eigener Regie vornehmen will. Die Versicherer indes bieten einen derartigen Service in der Regel nicht an. Sie stellen sich auf den Standpunkt „Summenermittlung ist Sache des Kunden“. Vermittler sollten sich hüten, die gleiche Haltung einzunehmen, bindet sie das neue VVG doch eindeutig bei der Summenermittlung ein.
Es bleibt eigentlich nur eine Alternative: Ein externes Sachverständigengutachten eines erfahrenen Experten. Das ist der sicherste Weg. Je nach Zeitaufwand entstehen zwar Gutachterkosten. Die aber sind gut angelegtes Kapital im Vergleich zu den beschrieben Schadensummen, die auf dem Spiel stehen. Zum Einsatz kommt dabei die Seguro-Consulting GbR Software „Inventario & Castrio“. Dieses Verfahren ist mit den führenden Versicherern abgestimmt und intensiv geprüft. Das Resultat: Die auf Basis dieser Software entstandenen Schätzungen/Gutachten sind im Schadenfall in der Regel verbindlich.

Es empfiehlt sich zur Abgleichung mit dem tatsächlichen Deckungsbedarf eine jährliche Aktualisierung der Versicherungssumme vorzunehmen. Ab dem zweiten Jahr fallen wesentlich geringere Kosten an, da die Hauptarbeit bereits bei der ersten Bestandsaufnahme erledigt ist. Den Kunden schon vor dem Schadenfall schützen.

Bei einem Großschaden ist eines besonders wichtig: Ein schneller Geldfluss, um die Liquidität des Unternehmens sicherzustellen. Je schneller der Versicherer den Schaden ausgleicht desto besser. Wenn erst ein langwieriges Sachverständigenverfahren nötig wird um festzustellen, ob womöglich eine Unterversicherung besteht, kann dies bereits das Ende eines Unternehmens bedeuten. Denn auch die Banken spielen dann in der Regel nicht mit, sofern ihr keine weiteren Sicherheiten vorliegen.

Idealerweise besteht bereits vor dem Schaden eine qualifizierte Versicherungswertermittlung, eine so genannte Vorschadenbetrachtung. Oftmals kann dann auch mit dem Versicherer die Belegpflicht abbedungen werden. Dies ist sehr sinnvoll, denn der Kunde ist im Schadenfall beweispflichtig.
Sind alle maßgeblichen Punkte berücksichtigt und das Verfahren der Wertermittlung abgestimmt, wird der Versicherer auf dieser Basis in der Regel einen generellen „Unterversicherungsverzicht“ aussprechen. Der geht üblicherweise auch mit der Nutzung der Software „Inventario & Castrio“ einher.

Die Folge: Im Schadenfall wird nicht mehr über die Richtigkeit der Versicherungssummen diskutiert, die langwierige Prüfung durch Sachverständige entfällt, der Fokus richtet sich auf die reine Schadenermittlung – und einem schnellen Geldfluss steht nichts mehr im Wege. Die verlustfreie Schadenregulierung  fördert die Kundenzufriedenheit, die Kundenbindung und das Empfehlungsgeschäft. Eine korrekte Versicherungssummenermittlung ist also nicht nur Pflichtprogramm, sondern auch Teil der eigenen Unternehmensphilosophie.

Kontakt:

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