Ist das Bargeldverbot noch aufzuhalten?

EurosicherheitÜberall auf der Welt häufen sich die Indizien, dass die Regierungen nach und nach das Bargeld abschaffen wollen. Die Auswirkungen betreffen nicht nur jeden – sie sind auch gravierend.

Das Trinkgeld im Restaurant, der schnelle Kauf im Vorbeigehen am Kiosk, das Schlendern über den Markt – Bargeld gehört noch immer zu unserem täglichen Leben dazu. Auch wenn online-Banking, Kartenzahlung oder elektronische Zahlungsmethoden das Scheinchen und die Münze manchmal doch schon etwas nostalgisch erscheinen lassen. Wollen die Menschen darauf wirklich verzichten? Diese Frage stellt sich, denn von der Öffentlichkeit kaum bemerkt vollzieht sich der langsame Abschied vom Bargeld, das vor Jahrtausenden eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheitsgeschichte war.

Erstes Indiz für die schleichende Abschaffung: Mit der vierten Geldwäscherichtlinie wird auch in Deutschland der bargeldbezogene direkte Erwerb von Edelmetallen demnächst von 15.000 Euro pro Nase und Rechnung auf 10.000 Euro abgesenkt. Die nächsten Schritte dürften die Grenze auf 5.000 Euro festlegen. Und mittelfristig dürfte europaweit eine Harmonisierung dieser Bargeldgrenzen in Richtung 1.000 Euro gehen.

Große Scheine werden kriminalisiert

Zweites Indiz: Weltweit scheint es einen Kriegszug gegen große Scheine im Bargeldbereich zu geben. In Indien erklärte die Regierung in der Wahlnacht von Trump/Clinton alle Scheine 100 Rupien und größer einfach mal für ungültig. In Europa ist der Beschluss gefallen, die 500-Euro-Scheine nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen. Sicherlich ist es nicht von der Hand zu weisen, dass große Scheine es kriminellen Gruppen einfacher macht, anonym Ihren Geschäften nachzugehen. Aber die wirklich großen Fische in der Schattenwelt arbeiten schon längst digital.

Der wahre Grund für den Rückzug des Bargeldes ist ein anderer. Er scheint eine notwendige geldpolitische Voraussetzung zu sein, wenn das System mit Niedrig- oder gar Negativverzinsung noch ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte Zeit gewinnen will. Aber zu welchem Zweck eigentlich?

Die Massenprivatisierung geht weltweit weiter

Aus der Occupy Bewegung, die weltweit nach der Finanzkrise entstanden ist, legt einen ihrer Schwerpunkte darauf, die Menschen über die Umverteilung von großen Vermögen aus der Bevölkerung (die 99 Prozent) auf die One Prozenter (das eine unermesslich reiche Prozent) aufzuklären. Der globale Finanzkapitalismus der letzten Jahrzehnte zeigt, dass immer mehr Staatsvermögen durch Privatisierungsforderungen der Gläubiger dieser oft verschuldeten Staaten in die Hände des einen Prozents wandern.

Neben „Volksvermögen“ verschwindet auch der „Mittelstand“

Aber nicht nur das Volksvermögen, welches staatlich verwaltet wird, wandert zu dem einen Prozent. Auch die Konzentrierungen in der Wirtschaft werden in vielen Ländern immer stärker sichtbar. In manchen Regionen dieser Welt (USA als krasses Beispiel) ist der Mittelstand faktisch verschwunden. Nur so lassen sich die Wahlergebnisse dort verstehen. Und Europa ist ebenfalls auf dem besten Weg dahin.

Bargeldverbot dient dem Hunger des Finanzkapitalismus

Empirische Recherchen der letzten zehn Jahre, gepaart mit einfacher  Mathematik und Betrachtungen geschichtlicher Entwicklungen, führen schnell zu dem Schluss, dass das geplante Bargeldverbot sehr viel mit den Interessen der aktuellen Akteure des herrschenden Finanzkapitalismus zu tun hat. Der Hunger nach Vermögensumschichtungen in die eigene Klientel ist bei weitem noch nicht gestillt. Daher ist aus deren Sicht der Zeitpunkt für ein RESET (Schuldenerlass – Schuldenschnitt usw.) noch nicht gekommen. Dieser ist aber aus Sicht vieler Finanzwissenschaftler notwendig, sofern die globale Wirtschaft wieder in ein nachhaltiges Wachstum kommen soll. Ein Wachstum, welches auch noch einen Planeten hinterlässt, auf dem unsere Kinder und Kindeskinder leben wollen.

Wissen ist eine Holschuld

Noch haben wir einen starken Mittelstand. Der aber gerät zunehmend in die Zange des Finanzkapitalismus und der Finanzindustrie. Altgediente Wege sich dem zu entziehen, dürften dafür eher nicht mehr geeignet sein. Vielmehr ist es wichtig sich das Wissen über das Geld- und Wirtschaftssystem selbst zu beschaffen und entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Eine sinnvolle Maßnahme ist mit Sicherheit eine gewisse Unabhängigkeit vom Bankensystem anzustreben. Mitarbeiter im Unternehmen mehr in die Finanzierung einzubeziehen – und auch über Rechtsformen sollte jeder Mittelständler zukünftig stärker nachdenken. Eine Alternative ist z.B.: Stiftung und Co. KG(aA). Für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sind Mitarbeitergenossenschaften eine spannende Lösung. Das richtige Netzwerk wird hierbei von großer Bedeutung sein. Denn das Bargeldverbot wird sich mehr oder weniger auf alle Branchen und Betriebe auswirken. Schneller, als mancher glauben mag.

 

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PS: der Autor veranstaltet zum Thema „Wie funktioniert eigentlich Geld – die Geschichte des Geldes“ am Samstag, den 01.04.2017 zentral in Fulda einen Workshop zu diesem spannenden Thema – nachfolgend der Link zur Anmeldung für alle interessierte Leser: https://vsav.de/einladung-zum-workshop-in-fulda/