Hannover Leasing GmbH & Co. KG zu Schadensersatz wegen Prospekthaftung verurteilt

Young man in suit with gavel. Auction or justice concept.Das Landgericht München hat die Initiatorin sowie Prospektherausgeberin Hannover Leasing GmbH & Co. KG zur Zahlung von Schadensersatz an einen von Rechtsanwalt Oliver Renner vertretenen Anleger des Fonds „Hannover Leasing Development, L.P.“ verurteilt. Der Fall zeigt allzu deutlich, dass auch Vermittler den wirtschaftlichen Fortgang einer Fondsbeteiligung (heute AIF) verfolgen sollten, um im Sinne seiner Kunden agieren zu können.

Der Prospekt war vielversprechend, die Fotos glänzten ebenso wie die Zahlen. Ein Anleger beteiligte sich im Mai 2008 mit einer Beteiligungssumme in Höhe von 60.000 US-Dollar an der Beteiligung Hannover Leasing Development. Das Investment lief nicht so wie geplant, der Anleger fühlte sich getäuscht. Er beauftragte eine Rechtsanwaltskanzlei, die sogleich Klage einreichte. Die Beklagte, die Hannover Leasing GmbH & Co. KG, war Initiatorin, Anbieterin, Geschäftsbesorgerin, Eigenkapitalvermittlerin und Prospektherausgeberin des Fonds.

Was war geschehen? Gegenstand des Fonds war eine Investition in die Projektentwicklung des Shopping Centers „The Paddocks, Nashville – Tennessee“. Die Errichtung des Investitionsobjekts „The Paddocks“ sollte nach den Prospektangaben zwischen Mitte November 2007 und Mai 2010 in vier Bauphasen erfolgen. Die Beteiligungsdauer war entsprechend nach den Prospektangaben für einen Beitritt zum 01.01.2008 mit rund drei Jahren geplant.

Die Anker – Unternehmen des Shopping Centers, u. a. Wal-Markt, sollten nach den Prospektangaben als spätere Grundstückeigentümer in Eigenregie bauen, wobei der Vollzug des Kaufvertrages mit Wal-Markt nach den Prospektangaben, zum 31.12.2007 erfolgen sollte. Dieser erfolgte jedoch tatsächlich erst im Jahr 2009. Hierdurch sowie in Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise konnte eine Realisierung, wie geplant, nicht mehr erfolgen.

Der Kläger hatte die Hannover Leasing GmbH & Co. KG auf Schadensersatz verklagt. Eine im Mai 2008 gebotene Aktualisierung des Prospekts dahingehend, dass die Grundstücksveräußerungen nicht zum 31.12.2007 vollzogen worden sind, sei nicht erfolgt. Daher hafte die Beklagte.

Das Landgericht München hat mit seinem Urteil vom 04.07.2017 der Klage vollumfänglich stattgegeben und ist der Argumentation des Fachanwalts für Bank- und Kapitalmarktrecht gefolgt.

Denn: Die Hannover Leasing GmbH & Co. KG hat besondere Sachkunde, Kompetenz und Erfahrung für sich in Anspruch genommen, so dass eine Prospekthaftung im weiteren Sinne besteht.

Zudem hätte jedenfalls ein ab Mai 2008 beitretender Anleger durch einen Prospektnachtrag oder durch Prospektberichtigung darüber aufgeklärt werden müssen, dass die für Ende 2007 vorgesehene Durchführung, der mit Wal-Markt geschlossenen Kaufverträge über Teilflächen des Grundstücks, noch nicht vollzogen worden sind.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Abzuwarten bleibt, ob Hannover Leasing Berufung einlegen wird. Jedenfalls sollten Berater, die diesen Fonds mit vertrieben haben, prüfen lassen, ob für ihre Anleger, die im Mai 2008 und später dem Fonds beigetreten sind, ebenfalls noch Ansprüche bestehen – im Sinne einer guten Kundenbetreuung.

 

Kontakt:

Rechtanwalt Oliver RennerBild Oliver Renner
Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht
Rechtsanwälte Wüterich Breucker
Charlottenstr. 22 – 24
70182 Stuttgart

Telefon: 0711 23992-0
Fax: 0711 23992-29
E-Mail: o.renner@wueterich-breucker.de
Web: www.wueterich-breucker.de